"

83 nachhaltige Tourismuszertifizierungen auf einer Liste: Die aktualisierte Übersicht von Travalyst ist da

Am 24. Juli 2026 hat Travalyst die offizielle Liste der Nachhaltigkeitszertifizierungen aktualisiert. Nur zwei Monate vor Inkrafttreten der neuen EU-Verordnung für Nachhaltigkeit (ECGT) wurde dieses Dokument zum wichtigsten Orientierungspunkt für Hotels, Pensionen und kleinere Unterkünfte.

Was ist Travalyst und warum sollte man darauf achten?

Travalyst ist eine unabhängige, gemeinnützige Koalition, die 2019 auf Initiative von Prinz Harry, Herzog von Sussex, gegründet wurde. Die größten Akteure der globalen Reise- und Technologiebranche haben sich zusammengeschlossen: Booking.com, Google, Skyscanner, Tripadvisor, Expedia und Amadeus.

Das Ziel ist einfach: Reisende sollen bereits bei der Buchung klar, einheitlich und vergleichbar erkennen können, wie nachhaltig die von ihnen gewählte Unterkunft ist.

Dafür muss jedoch Ordnung in den Dschungel der Umweltlabels gebracht werden. Weltweit gibt es Hunderte von Nachhaltigkeitszertifikaten mit enormen Unterschieden in Bezug auf Strenge, Transparenz und Kontrolle. Gäste können nicht zwischen echten, unabhängig geprüften Unterkünften und solchen, die sich selbst Zertifikate ausstellen, unterscheiden – und Buchungsplattformen wussten nicht, welches Logo sie auf ihren Seiten zulassen sollten. Deshalb wurde die Travalyst Certifications Initiative ins Leben gerufen. Die zweite Phase der Initiative, die 2026 angekündigt wurde, orientiert sich vollständig an den kommenden EU-Vorschriften. Auf dieser Grundlage wurde die am 24. Juli 2026 veröffentlichte Liste erstellt, deren Zertifizierungen ab sofort prominent auf den Buchungsplattformen erscheinen werden. 

Die ECGT: Ab September wird es ernst

Die EU-Richtlinie Empowering Consumers for the Green Transition (ECGT) tritt am 27. September 2026 in Kraft. Ziel der Regelung ist es, irreführenden Umweltbehauptungen (Greenwashing) endgültig ein Ende zu setzen. Ab September dürfen Nachhaltigkeitslabels nur noch auf Grundlage eines Zertifizierungssystems angezeigt werden, das vier strenge Kriterien erfüllt:

  • Offen und transparent: Für alle unter fairen Bedingungen zugänglich.

  • Fachlich fundiert: Die Anforderungen wurden unter Einbeziehung von Experten und Interessengruppen entwickelt.

  • Mit Sanktionssystem: Es gibt Verfahren zur Behandlung von Verstößen (einschließlich des Entzugs des Labels).

  • Unabhängige Prüfung: Die Kontrolle wird von einer dritten Partei durchgeführt, die auf Standards basierende Fachkenntnisse und Unabhängigkeit besitzt.

Die größte Herausforderung: Wer bisher auf Selbstauskunft setzte, benötigt ab sofort eine echte, unabhängige Prüfung durch Dritte.

Travalyst ist keine Behörde und überprüft oder genehmigt die Systeme nicht. Die Zertifizierer erklären ihre Konformität durch das Ausfüllen einer Erklärung, wobei die rechtliche Verantwortung bei ihnen und den Anbietern bleibt. Die Liste ist also ein Transparenzinstrument – in der Praxis entscheiden die großen Buchungsplattformen jedoch genau auf dieser Grundlage, welche Unterkünfte auf ihren Seiten als „grün“ gekennzeichnet werden dürfen.

Was zeigt die Aktualisierung vom 24. Juli?

Auf der aktualisierten Liste sind 83 Zertifizierungssysteme für Unterkünfte aufgeführt. Diese hohe Zahl zeigt die Zersplitterung des Marktes, aber auch, wie ernst die Akteure die Frist im September nehmen.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Liste:

  • Doppelter Fokus wird zum Standard: 73 der 83 Systeme berücksichtigen sowohl ökologische als auch soziale Aspekte. Nur 9 bewerten ausschließlich ökologische (z. B. Nordic Swan Ecolabel, DEHOGA Umweltcheck) und 1 ausschließlich soziale Faktoren (Queervadis).

  • Akkreditierung als Engpass: Bei den meisten Systemen ist die akkreditierende Stelle noch mit „N/A“ angegeben. Wo es eine gibt, handelt es sich meist um die GSTC, die britische UKAS oder eine nationale Behörde.

  • Transparenz wird Pflicht: Ab sofort müssen die Daten des unabhängigen Prüfers und der akkreditierenden Stelle angegeben werden. So wird nicht nur ersichtlich, wer die Erklärung abgegeben hat, sondern auch, wer sie überprüft hat.

Herausragende Beispiele

Unter den globalen Akteuren auf der Liste gibt es zwei Systeme, die von I-DEST besonders empfohlen werden: 

1. Good Travel Seal

Das niederländische Programm Green Destinations richtet sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen und basiert auf den internationalen GSTC-Kriterien. Das Zertifizierungssystem wurde im vergangenen Jahr erheblich überarbeitet, um den EU-Anforderungen zu entsprechen. Im neuen System können bald auch die ersten lokalen Unternehmen zertifiziert werden.

  • Warum herausragend? Travalyst nennt die Struktur des Good Travel Seal als Paradebeispiel für unabhängige Zertifizierungen. Der Standardinhaber (Green Destinations Services) und die Zertifizierungsstelle (Good Travel Institute) sind rechtlich vollständig voneinander getrennt, mit einem eigenen Zertifizierungsausschuss und einem Netzwerk ausgebildeter Prüfer.

2. Bioscore Nachhaltigkeitszertifikat

Das technologiegestützte System mit Sitz in Valencia folgt der ESG-Logik (ökologische, soziale und Governance-Kriterien). Es bewertet sechs Hauptbereiche – von CO2-Fußabdruck und Energieeffizienz über Abfallreduzierung bis hin zu sozialer Verantwortung – und ordnet die Ergebnisse in Kategorien von C bis A+ ein.

  • Warum herausragend? Hinter Bioscore steht eine besonders starke Kette unabhängiger Prüfer: Internationale, anerkannte Zertifizierungsstellen wie OCA Global, TÜV Rheinland und Bureau Veritas führen die Prüfungen durch. Dies erfüllt auch die strengsten Anforderungen der ECGT.

Was sollte man jetzt tun?

Wenn Sie eine Unterkunft oder ein Tourismusunternehmen betreiben, haben Sie nur noch zwei Monate, um Ihre Nachhaltigkeitskommunikation zu überdenken.

  • Wenn Sie bereits zertifiziert sind: Überprüfen Sie, ob das von Ihnen genutzte System auf der Travalyst-Liste vom 24. Juli steht!

  • Wenn Sie noch nicht zertifiziert sind: Starten Sie so bald wie möglich, da die Bearbeitungszeit für eine glaubwürdige, unabhängige Prüfung Monate dauern kann.

Die Travalyst-Liste wird durch kontinuierliche Erklärungen ständig erweitert. Die aktuellste Version ist immer auf der offiziellen Website der Organisation verfügbar.

Und was kommt vor den Zertifikaten: Die globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen von I-DEST

Das bisher Gesagte setzt stillschweigend voraus, dass Anbieter bereits so weit sind, sich für eine Prüfung anzumelden. In Wirklichkeit ist dies in vielen Ländern noch nicht der Fall. Für eine Pension mit zwanzig Zimmern oder ein Reisebüro mit drei Mitarbeitern ist eine internationale Zertifizierung derzeit weder zeitlich noch finanziell machbar – dennoch gibt es viel, was sie für die Nachhaltigkeit tun können, und ihre Gäste erwarten dies zunehmend.

Diese Vorbereitungsphase wird durch die globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen von I-DEST unterstützt.

Die Logik ist umgekehrt wie bei Zertifikaten. Das digitale Siegel erhält nicht der Anbieter, sondern der Gast erwirbt es – für seine eigenen nachhaltigen Schritte. Dafür, dass er mit dem Zug angereist ist, die Umgebung mit dem Fahrrad erkundet hat, bei lokalen Produzenten eingekauft hat oder auf den täglichen Wäschewechsel verzichtet hat. Der Gast wird also nicht zum passiven Label-Leser, sondern zum Akteur: Für die kleinen Entscheidungen während seiner Reise erhält er Feedback.

Die Rolle des Anbieters ist es, dies zu ermöglichen. Siegel können nur dort gesammelt werden, wo der Anbieter die Voraussetzungen geschaffen hat – wo es tatsächlich Fahrräder gibt, ein lokales Angebot vorhanden ist und die Wahlmöglichkeiten tatsächlich bestehen. Damit dies nicht nur ein leeres Versprechen bleibt, werden die Verpflichtungen durch stichprobenartige Mystery-Shopping-Kontrollen überprüft. Wenn das System dem Gast sagt, dass er etwas tun kann, muss dies auch möglich sein. Das Feedback der Gäste wird belohnt, denn die alltäglichen Erfahrungen geben oft ein genaueres Bild als jede Selbstauskunft.

Warum ist das im Hinblick auf die ECGT wichtig? Weil die Herausforderungen keine – und aufgrund ihrer Struktur auch keine – Nachhaltigkeitsbehauptungen über das Unternehmen selbst aufstellen. Es ist kein Aushängeschild, kein Label, keine Zertifizierung. Daher fällt es nicht unter die ab dem 27. September verschärften Vorschriften. Der Geist der Richtlinie geht jedoch über die Bereinigung von Labels hinaus und zielt darauf ab, den Verbrauchern echte, verständliche und überprüfbare Informationen für ihre Entscheidungen zu bieten. Das spielerische Format unterstützt dies: Es kommuniziert keine abstrakten Versprechen, sondern zeigt konkrete, umsetzbare Schritte – und der Gast erlebt selbst, was sie bedeuten.

Für das Unternehmen bietet es Selbsterkenntnis. Während es die Herausforderungen zugänglich macht, sieht es genau, wo sein eigenes Angebot steht, wofür es die Infrastruktur hat und wofür nicht. Diese Bestandsaufnahme ist die beste Vorbereitung, um in einigen Jahren – wenn Kapazität und Entschlossenheit vorhanden sind – selbstbewusst in einen ernsthaften, unabhängigen Zertifizierungsprozess einzusteigen. Es ist ein Unterschied, ob man mit Erfahrung in eine Good Travel Seal- oder Bioscore-Prüfung geht oder bei null anfängt.

Die globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen von I-DEST sind also keine Konkurrenten der bestehenden Travalyst-Systeme. Sie sind die erste Etappe auf dem Weg dorthin – sie beginnen dort, wo der Großteil des Sektors heute tatsächlich steht.

Weitere News

Alle

Unsere Partner