Die Statue der Jungen von der Paulstraße
Das öffentliche Kunstwerk, das sich im 8. Bezirk von Budapest, in der Práter Straße 11, befindet, stellt eine der prägendsten Szenen aus Ferenc Molnárs 1907 veröffentlichtem Roman „Die Jungen von der Paulstraße“ dar: den „Einstand“. Die Skulpturengruppe wurde vom Bildhauer Péter Szanyi geschaffen und im September 2007 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Veröffentlichung des Romans eingeweiht.
- Kostenpflichtige Parkplätze vorhanden
Das Leben und Werk von Ferenc Molnár
Ferenc Molnár (1878–1952) war einer der angesehensten ungarischen Dramatiker, Journalisten und Romanautoren des 20. Jahrhunderts, der weltweite Berühmtheit erlangte. Er wurde in eine bürgerliche Familie in Budapest geboren, studierte Jura, wandte sich jedoch bald dem Journalismus und der Literatur zu. Seine Werke zeichnen sich durch scharfe Gesellschaftskritik, präzise Darstellungen des bürgerlichen Lebens in Pest, exzellente Dialoge und feinen Humor aus. Sein bekanntestes Theaterstück, Liliom, war auch im Ausland ein großer Erfolg und diente als Grundlage für das Broadway-Musical Carousel. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er als Kriegsberichterstatter, und Ende der 1930er Jahre emigrierte er vor dem Faschismus in die Vereinigten Staaten, wo er in New York verstarb.
Handlung und Themen von „Die Jungen von der Paulstraße“
Der 1907 veröffentlichte Roman spielt im Józsefváros, einem Stadtteil des damaligen Budapest zur Jahrhundertwende, und schildert den territorialen Kampf zwischen zwei Kindergruppen, den Jungen von der Paulstraße und den Rothemden. Der Streit dreht sich um das „Grundstück“, ein leeres Baugrundstück neben einem Sägewerk, das für die Jungen von der Paulstraße Freiheit und Spiel bedeutet, während die Rothemden es als Platz zum Ballspielen nutzen wollen. Die zentrale Figur der Geschichte ist Ernő Nemecsek, der einzige einfache Soldat der Jungen von der Paulstraße, ein kleiner, blonder und kränklicher Junge, der oft von den anderen übersehen wird, aber den größten Mut und die größte Loyalität beweist.
Die Handlung entwickelt sich durch die taktischen Manöver der beiden Gruppen, geheime Erkundungsmissionen in die Basis der Rothemden (den Botanischen Garten) und Verrat, bis hin zur finalen offenen Schlacht. Nemecsek muss während der Missionen mehrmals ins kalte Wasser steigen und erkrankt schwer an einer Lungenentzündung. Am Tag der entscheidenden Schlacht erhebt er sich von seinem Krankenbett, kehrt zum Grundstück zurück und besiegt mit letzter Kraft den Anführer der Rothemden, Feri Áts, womit er den Krieg entscheidet. Kurz darauf stirbt Nemecsek, und die siegreichen Jungen von der Paulstraße erfahren vom Ingenieur, dass das Grundstück bebaut wird und ein großes Mietshaus darauf entstehen soll, wodurch das Opfer der Jungen völlig sinnlos wird. Das Werk ist ein universelles Symbol für Freundschaft, Selbstaufopferung, Vaterlandsliebe und den oft schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens.
Über die Statue
Die Statuen befinden sich vor der Wand des Gebäudes der Práter-Grundschule, direkt auf Straßenniveau, ohne Sockel. Die Komposition besteht aus fünf Figuren: Drei kleinere Jungen (darunter Ernő Nemecsek) spielen auf dem Boden mit Murmeln, während die beiden größeren Brüder, die Rothemden Pásztor, bedrohlich über ihnen aufragen, um ihnen die Spielsachen wegzunehmen. Aus dem architektonischen Hintergrund, der aus der Schulwand geformt wurde, fließt künstlich zugeführtes Wasser, das an die Regenwasserableitungen der Mietshäuser in Pest erinnert.
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