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Ostbahnhof

Der Budapester Ostbahnhof ist nicht nur der verkehrsreichste Eisenbahnknotenpunkt Ungarns, sondern auch eines der beeindruckendsten und international anerkannten architektonischen Meisterwerke der Hauptstadt. Der 1884 eröffnete Bahnhof ist ein monumentales Denkmal des technologischen Fortschritts und des wirtschaftlichen Aufschwungs der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, das bis heute seine ursprüngliche Funktion und historischen Glanz bewahrt hat.

  • Kostenpflichtige Parkplätze vorhanden

Die Geschichte des Bahnhofs von der Gründung bis heute

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts konnten die bestehenden Kopfbahnhöfe in Pest den sprunghaft gestiegenen Passagier- und Güterverkehr nicht mehr bewältigen. Die Ungarischen Königlichen Staatsbahnen (MÁV) entschieden sich daher für den Bau eines neuen zentralen Bahnhofs.

  • Planung und Bau: Der Bau begann 1881 am damaligen Ende der Kerepesi út. Die Pläne wurden von dem Architekten Gyula Rochlitz und dem Brückenbauingenieur János Feketeházy entworfen.

  • Die Eröffnung: Der Bahnhof wurde am 16. August 1884 unter dem ursprünglichen Namen Zentralbahnhof für den Verkehr freigegeben. Damals galt er als einer der modernsten Eisenbahnterminals Europas, ausgestattet mit elektrischer Beleuchtung und modernen mechanischen Weichenanlagen.

  • Namensänderung: Seinen heutigen Namen, Ostbahnhof, erhielt er 1892, was sowohl auf seine geografische Lage als auch auf die von hier ausgehenden Bahnlinien nach Siebenbürgen und auf den Balkan verweist.

  • Erneuerung: Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, aber wiederhergestellt. Während der umfangreichen Renovierungen der letzten Jahre wurde die Untergeschossebene komplett erneuert, ein modernes Passagierzentrum eingerichtet und der Zugang zu den Gleisen barrierefrei gestaltet.

Architektonische Bedeutung und Stilmerkmale

Die Architektur des Ostbahnhofs ist eines der schönsten Beispiele des Historismus in Ungarn, insbesondere des Eklektizismus und des Neorenaissance-Stils. Mit seiner majestätischen Erscheinung demonstrierte das Gebäude bewusst die Macht des Staates und der Eisenbahngesellschaft.

Das ingenieurtechnische Meisterwerk der Bahnhofshalle

Der beeindruckendste Teil des Bahnhofs ist die riesige, aus Eisen gefertigte Halle, die die Gleise überdacht und von János Feketeházy entworfen wurde.

  • Die Maße der Konstruktion: Die Halle ist 144 Meter lang, 42 Meter breit und erstreckt sich bis zu einer Höhe von 25,5 Metern. Zur Zeit ihres Baus war sie die Konstruktion mit der größten Spannweite in Ungarn.

  • Licht und Raum: Dank der riesigen Glasflächen ist die Halle von natürlichem Licht durchflutet, was im 19. Jahrhundert ein absolutes Symbol für Modernität und technischen Triumph war.

Die monumentale Hauptfassade

Die 43 Meter hohe Hauptfassade, die zum Baross tér zeigt, erinnert an einen Triumphbogen und empfängt die in die Stadt kommenden Reisenden wie ein Tor.

  • Bildhauerische Verzierungen: Über dem großen halbkreisförmigen Fenster an der Spitze der Fassade befindet sich eine allegorische Skulpturengruppe, die Dampfenergie und Verkehr darstellt (ein Werk von Gyula Bezerédi). In den Nischen neben dem Eingang stehen lebensgroße Statuen der beiden weltberühmten Pioniere der Eisenbahn und Dampfmaschine, George Stephenson und James Watt.

Der Lotz-Saal (Ehemalige Fahrkartenschalterhalle)

Im nördlichen Flügel des Bahnhofs befindet sich die ehemalige Abfahrtshalle für Fahrkartenschalter, die heute einer der schönsten versteckten Innenräume der Hauptstadt ist. Der Saal wurde von den beiden renommiertesten ungarischen Malern der Epoche, Károly Lotz und Mór Than, mit monumentalen Fresken geschmückt, die Allegorien des Verkehrs, der Kommunikation und der Künste darstellen.

Nachhaltigkeit und Erreichbarkeit im modernen Tourismus

Der Ostbahnhof ist nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern auch ein zentraler Pfeiler für nachhaltiges und umweltfreundliches Reisen (Slow Travel) in Ungarn. Durch die Elektrifizierung der Bahnstrecken und moderne Züge bietet der Bahnhof direkte, CO2-arme Verbindungen zu den Metropolen Mittel- und Westeuropas (Wien, München, Zürich, Prag, Berlin).

  • Umweltfreundliche Erreichbarkeit: Der Bahnhof ist vom Budapester Stadtzentrum aus in wenigen Minuten ohne Auto erreichbar. Er bietet direkte Umsteigemöglichkeiten zu den U-Bahn-Linien M2 und M4, zu den Straßenbahnlinien 4 und 6 sowie zu zahlreichen Trolleybus- und Buslinien.

  • Besucherinformationen: Das Bahnhofsgebäude und das Passagierzentrum sind vollständig barrierefrei. Der Lotz-Saal und die Haupthalle können kostenlos und ohne Fahrkarte besichtigt werden, was sie zu einem idealen Ausgangspunkt für einen nachhaltigen architektonischen Spaziergang durch Budapest macht.

Die Baross-Gábor-Statue: Eine Hommage an den „Eisenminister“

Baross Gábor szobra a pályaudvarral a 20. század elején
Die Baross-Gábor-Statue mit dem Bahnhof Anfang des 20. Jahrhunderts - Foto: Régi képeslap

Vor dem Haupteingang des Bahnhofs, im Zentrum des Baross tér, steht die monumentale Bronzestatue des Namensgebers Baross Gábor (1848–1892), die eine untrennbare Einheit mit dem Eisenbahnpalast bildet. Baross, der von seinen Zeitgenossen wegen seiner außergewöhnlichen Arbeitskraft und kompromisslosen Reformen als „Eisenminister“ bezeichnet wurde, modernisierte als Minister für öffentliche Arbeiten und Verkehr die gesamte ungarische Infrastruktur: Er verstaatlichte die Eisenbahnen, führte das Zonentarifsystem ein, baute den Hafen von Fiume aus und ließ das Eiserne Tor regulieren. Bereits im Jahr seines Todes, 1892, wurde der ehemalige Zentralbahnhof nach ihm in Ostbahnhof umbenannt.

Das Werk, das von dem Bildhauer Antal Szécsi und dem Architekten Ede Mayer geschaffen wurde und ursprünglich 1898 eingeweiht wurde, ist ein klassisches, historistisches Denkmal. Die überlebensgroße Bronzestatue auf einem massiven Granitsockel zeigt den Politiker in einer selbstbewussten, autoritären Haltung in zeitgenössischer Ministeruniform, in der rechten Hand seine berühmten Eisenbahnentwicklungsdokumente haltend. Die Nebenfiguren am Sockel symbolisieren die Eisenbahnarbeiter und die ingenieurtechnische Genialität. Obwohl die Statue während der U-Bahn-Bauarbeiten und Rekonstruktionen des Platzes mehrfach versetzt wurde, steht sie seit der letzten Platzgestaltung wieder an einem würdigen Ort direkt vor der Hauptfassade und empfängt die Reisenden, die mit nachhaltigen Verkehrsmitteln ankommen.

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